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10.03.2017

Ab Ende 2018 erhalten schrittweise alle Kunden H-Gas

Zehnjähriger Umstellungsprozess startet mit Erstinformation
Oldenburg, 10. März 2017. In den nächsten Tagen erhalten die ersten Kunden im Landkreis Rotenburg Post von EWE NETZ: Das Unternehmen informiert darüber, dass Kunden ab dem dritten Quartal 2018 mit H-Gas beliefert werden. Damit startet der regionale Netzbetreiber eine Mammutaufgabe: In rund 600.000 Haushalten wird die Erdgasqualität vom niederkalorischen L-Gas auf hochkalorisches H-Gas umgestellt. Bis Ende 2027 werden dazu alle Gasverbrauchsgeräte technisch angepasst. Weil die L-Gas-Importe aus den Niederlanden sowie die deutsche L-Gas-Produktion bis 2029 drastisch sinken werden, ist die Umstellung des Gasnetzes auf H-Gas erforderlich. „Selbstverständlich stellt EWE NETZ sicher, dass alle Kunden auch während der Umstellungsarbeiten zuverlässig mit Erdgas beliefert werden können“, ergänzt Torsten Maus, Vorsitzender der Geschäftsführung von EWE NETZ. Von der L-H-Gasumstellung sind alle Kunden in Deutschland betroffen, die derzeit mit L-Gas beliefert werden.

H-Gas hat einen höheren Energieinhalt als L-Gas, deswegen müssen bei den meisten Gasgeräten die Brennerdüsen angepasst oder neu eingestellt werden. „Wegen der großen Geräteanzahl in den Haushalten, haben wir unser Netzgebiet in über 100 Umstellbezirke eingeteilt. In einer festgelegten Reihenfolge werden alle Gasgeräte in jedem Umstellbezirk zunächst erfasst und zu einem späteren Zeitpunkt angepasst, so dass schließlich H-Gas in das Gasnetz eingeleitet werden kann“, beschreibt Maus.

Erst Richtung Elbe, dann zur Ems
Das Netzumstellungskonzept bei EWE NETZ sieht vor, dass ab 2018/2019 im Landkreis Rotenburg mit den Arbeiten im Gasnetz von EWE NETZ begonnen wird. Anschließend gehen die Arbeiten in Richtung Elbe und Nordseeküste in den Landkreisen Stade und Cuxhaven weiter. Voraussichtlich in den Jahren 2020/2021 werden die Geräteanpassungen in den Landkreisen Cuxhaven und Osterholz abgeschlossen, so dass die Arbeiten links der Weser im Landkreis Wesermarsch fortgesetzt werden. Bis Ende 2027 wird die L-H-Gasumstellung im Netzgebiet Weser-Ems abgeschlossen sein. Nur kleine Bereiche des Gasnetzes von EWE NETZ, nämlich die Landkreise Harburg und Soltau-Fallingbostel, sind nicht von der Umstellung betroffen, hier nutzen die Kunden traditionell H-Gas.

Kunden sollen weitere Informationen abwarten
„Wir informieren unsere Kunden frühzeitig über die bevorstehende Umstellung der Gasqualität. Noch müssen die Kunden nicht aktiv werden, sondern abwarten, bis wir uns mit neuen Informationen wieder bei ihnen melden“, sagte Torsten Maus. Die Umstellung selbst läuft in drei Schritten ab: Zunächst werden alle Gasgeräte pro Hausanschluss erfasst. Dafür kommen spezialisierte Mitarbeiter zu jedem Kunden ins Haus. Anschließend beschafft EWE NETZ die notwendigen Ersatzteile. In einem zweiten Termin, über den der Kunde rechtzeitig informiert wird, rüsten die Spezialisten die Gasgeräte um. Zu einem festgelegten Stichtag wird dann H-Gas in einen kompletten Umstellbezirk eingeleitet. „Wir informieren die Kunden vor jedem Kontakt. Denn wir sind sehr auf die Kooperation der Kunden angewiesen“, erläutert Maus.

Kosten werden bundesweit umgelegt
Die Anpassung der Gasgeräte auf H-Gas ist in der Regel für die Kunden kostenlos. Die bei den Netzbetreibern entstehenden Kosten werden über die Netzentgelte bundesweit umgelegt.

Kunden müssen wegen der L-H-Gasumstellung keine neuen Gasgeräte kaufen, solange die vorhandenen Geräte umrüstfähig sind und eine gültige Betriebserlaubnis haben. Nicht umrüstfähige Geräte dürfen aus Sicherheitsgründen nach der Umstellung auf H-Gas nicht mehr betrieben werden.

Alle Kunden, die neue Gasgeräte anschaffen wollen, sollten darauf achten, dass diese „selbstadaptierend“ sind, sich also selbständig auf die beim Kunden vorgefundene Gasqualität einstellen. EWE NETZ fördert die Anschaffung von Neugeräten mit einem Betrag von 100 Euro, wenn die Umrüstkosten beim Kunden tatsächlich eingespart werden.

Sicherheit ist oberstes Gebot
„EWE NETZ hat verschiedene Sicherheitskriterien entwickelt, damit die Erdgasumstellung nicht von kriminellen Trittbrettfahrern ausgenutzt werden kann. Über die Details werden die Kunden vor jedem Besuch informiert“, sagt Geschäftsführer Torsten Maus.


Zum Hintergrund:
Die Umstellung der Gasqualität hat in einigen Regionen Deutschlands bereits begonnen und betrifft alle Kunden, die bisher mit der Erdgasqualität L beliefert werden; von der niederländischen Grenze bis Hamburg, von der Nordseeküste bis Köln. EWE NETZ stellt in seinem Netzgebiet zwischen Ems und Elbe an ca. 600.000 Haushalte die Gasqualität um. Die Reihenfolge, in der betroffene Netzbetreiber ihre Netze umstellen, ist im Netzentwicklungsplan Gas verbindlich festgelegt. Diesen haben die Fernleitungsnetzbetreiber erstellt und veröffentlicht.

Gasqualität

L-Gas, low caloric gas, ist im Nordwesten und Ruhrgebiet verbreitet. Es wird maßgeblich aus den Niederlanden importiert oder in Deutschland gefördert. H-Gas, high caloric gas, wird aus Russland, Norwegen und den Niederlanden importiert und im übrigen Netzgebiet Deutschlands verwendet. L- und H-Gas, die in getrennten Netzen transportiert werden, unterscheiden sich in ihrer Qualität. H-Gas hat einen höheren Methangehalt und setzt somit bei der Verbrennung mehr Energie frei als L-Gas.